Welche Schäden können durch Röntgenstrahlen verursacht werden? Wie hoch ist das Risiko?

 

Röntgenstrahlung ist potentiell in der Lage, die menschliche Erbinformation (DNA) zu schädigen. In der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle wird diese lokal so geschädigt, dass der Schaden von zelleigenen Enzymen repariert wird. Findet eine vollwertige Reparatur nicht statt, können für die geschädigte Zelle zwei mögliche Folgen eintreten:

1. Die Zelle verliert ihre Möglichkeit zur Teilung und es tritt der Zelltod ein. Handelt es sich nur um einzelne Zellen, ist auch dieser Vorgang ohne Folgen für den Betroffenen.

2. Die veränderte Zelle kann sich weiter teilen und die veränderte Erbinformation weiter führen. Es handelt sich um eine Mutation. Hieraus kann potentiell eine unkontrollierte Neubildung, ein sogenanntes Karzinom (im Volksmund Krebs genannt) entstehen.

Das erste Szenario, der Zelltod wird als deterministischer Strahlenschaden beschrieben. Ab einer bestimmten Dosis, welche zu einer deutlichen Steigerung des auch natürlich vorkommenden Zelltodes am geschädigten Areal führen muss, tritt dieser Schaden immer auf. Er ist somit genau vorhersehbar und jeder Mensch, der über diesem Schwellenwert bestrahlt wurde, wird erkranken. Dieses Phänomen ist nach Strahlenunfällen (z.B. in Tschernobyl oder nach Atomwaffenexplosionen) in direkter Nähe zum Explosionsherd bekannt. In der Medizin macht man sich diesen Effekt bei der sogenannten Strahlentherapie bösartiger Tumoren zu Nutze. Dort wird der Tumor lokal einer zuvor berechneten sehr hohen Dosis ausgesetzt um die bösartigen Zellen zu zerstören.

Für die Gesundheitsgefährdung durch diagnostische Röntgenaufnahmen ist der stochastische Strahlenschaden von Bedeutung. Dieser beruht auf einer Mutation (Veränderung des Erbgutes) einer betroffenen Zelle und es gibt keinen Schwellenwert. Anders gesagt kann er auch bei der geringsten Strahlung, also auch durch natürliche Strahlenbelastung, ausgelöst werden. Die Eintrittwahrscheinlichkeit dieses Schadens scheint mit steigender Dosis zuzunehmen. Es handelt sich aber bislang um eine Theorie, bewiesen ist das Phänomen letztlich nicht. Da die Theorie aber sehr wahrscheinlich korrekt ist, basiert der gesamte Aufbau des Strahlenschutzes – der Grundsatz die Dosis stets so niedrig wie möglich zu halten und strahlenempfindlichere Gewebe oder Personen so weit wie möglich zu schonen - hierauf.

Entsteht ein Tumor, ist der kausale Zusammenhang aber nicht sicher herzustellen, da diese DNA-Veränderungen stets auch spontan, ohne Beteiligung von Strahlung aufgetreten sein können. Es entsteht sogar der überwiegende Anteil von Mutationen spontan.