Das konventionelle Röntgen von 1951 bis 1999

Bestimmend für diese Zeitspanne ist einmal die Entwicklung invasiver Möglichkeiten mittels Kathedern sowie die Computerisierung ab 1965, die der Radiologie ganz neue Möglichkeiten eröffnet hat (Computertomographie, digitale Subtraktionsangiographie, Magnetresonanztomographie). Die Möglichkeiten der konventionellen Radiologie sind weitestgehend ausgelotet und ausgereizt. Interessant wird in den kommenden Jahren die weitere Digitalisierung werden. In Zukunft wird auf den klassischen Röntgenfilm weitestgehend verzichtet werden können.

1951: Neue Kriterien in der Mammographie

 

Raul Leborgne, Uroguay, beschreibt die Mikrokalzifikationen, welche auf einen Mammatumor hinweisen können.

 


1953: Entwicklung der Seldinger-Nadel

 

Der schwedische Radiologe Sven Ivar Seldinger entwickelt die nach ihm benannte Seldinger-Nadel. Diese erlaubt eine einfache perkutane (durch die Haut) Gefässpunktion, vorzugsweise der Arteria femoralis (Beinarterie) und begründet damit die Geburtsstunde der modernen Angiographie (Darstellung von Blutgefässen). Die Seldinger-Nadel wird bis heute bei nahezu jeder Angiographie (in Seldinger-Technik) verwendet.
 
S. I. Seldinger

 


1953: Weiterentwicklung der Cholegraphie

 

Biligrafin: Erstes intravenöses (über eine Vene verabreichtes) Cholangiographikum. Im Vergleich zur oralen Kontrastmittelgabe kann auch eine akute Cholezystistis, wie sie beim akuten Verschluss der Gallenwege durch einen Stein auftreten kann, dargestellt werden.

 


1955: Wasserlösliche orale Kontrastmittel

 

Einsatz von Urokon als erstes wasserlösliches orales Kontrastmittel. Diese Entwicklung war dringend notwendig, da Bariumsulfat beim Verdacht auf Perforation des Darmes kontraindiziert ist (Gefahr schwerster peritonealer Entzündungsreaktionen). Die starke Hyperosmolarität führte allerdings zu anderen schweren Nebenwirkungen, so dass die Substanz nur sehr eingeschränkt verwendet wurde.

 


1956: Nobelpreis für Werner Forssmann

 

Nobelpreis der Medizin für Werner Forssmann für seine Pionierarbeit zur Herzkathederuntersuchung.
 
Herzkathederuntersuchung

 


1957: Erste Koronarangiographie

 

Erste Koronarangiographie (Darstellung der Herzkranzgefäße) am Menschen nach Arteriotomie der Arteria brachialis (Armarterie) und retrogradem Kathedervorschub. Um den schnellen Kontrastmittelabfluß durch die Aorta zu verhindern wird versucht, die Aorta (Hauptschlagader) kurzzeitig mit einem aufblasbaren Ballon zu verstopfen. Einige Untersucher versuchen gar, einen kurzzeitigen Herzstillstand durch Gabe von Acetylcholin zu erreichen.

 


1959: Einführung des Kontrastmittels Gastrografin

 

Das bis heute eingesetzte orale iodhaltige Kontrastmittel Gastrografin wird erstmals verwendet. Herausragend ist seine einfache Anwendung und seine gute Verträglichkeit.

 


1959: Thrombolyse

 

Erste klinische Thrombolyse mit Urokinase. Bei der Thrombolyse wird versucht, eine Verstopfung von Gefäßen (Thrombus) unter Einsatz von Medikamenten aufzulösen. Thromben sind häufig Ursache für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Verstopfung von Körperarterien.

 


1961: Linksherzkatheder

 

Erste Linksherzkathederisierung nach transfemoraler (über die Beinarterie) Punktion der Arteria femoralis durch Ricketts und Abrams. Nachdem die Arterie punktiert worden ist, wird ein Katheder über die punktierte Arterie gegen die Blutströmungsrichtung zum Herzen vorgeschoben. Durch Verwendung spezifischer Katheder können die Koronargefäße (Herzkrankgefäße) selektiv angespritzt und unter Einsatz von Kontrastmitteln auf Röntgenbildern dargestellt werden. Diese Methode hat sich permanent weiterentwickelt und ist heute noch die vorherrschende Mehtode der Darstellung der Herzkranzgefäße. Meist wird diese Untersuchung in speziellen Herzkathederlaboren durchgeführt.

 


1962: Mammographie-Screening

 

Robert L. Egan beschreibt den ersten Einsatz der Mammographie (Darstellung der weiblichen Brust) als Screeninguntersuchung.

R. L. Egan
 
Mammographiescreening

 


1968: Perkutane Angioplastie

 

Erste perkutane Angioplastie (PTA)- Die Wiedereröffnung eines verschlossenen arteriellen Gefäßes mit einem Katheder.

 


1972: Computertomographie (CT)

 

Erste Vorstellung der durch G. N. Hounsfield entwickelten Computer-Tomographie (CT). Nobelpreis 1979.
 
G. N. Hounsfield

 


1974: Chiba-Katheder

 

Okuda in Japan entwickelt den flexiblen „Chiba“-Katheder. Mit diesem wird das Risiko von Gefäßverletzungen und Galleleckagen bei der perkutanen transhepatischen Cholangiographie (PTC) deutlich verringert.

 


1975: Nicht-ionisches Myelographikum

 

Metrizamide (Amipaque) wird als erstes klinisch verwendbares, wasserlösliches nicht-ionisches Myelographikum entwickelt. Maßgebend an der Entwicklung beteiligt ist der Schwedische Radiologe Torsten Almén. Das Kontrastmittel findet schnell auch in der Angiographie Verbreitung.
 
T. Almen

 


um 1975: Digitale Subtraktionsangiographie

 

Einführung der digitalen Subtraktionsangiographie (DSA), zunächst als intravenöse DSA, später zur besseren Darstellung der arteriellen Angiographie.

 


1977: Erste MRT

Erste Magnetresonanztomographie (MRT) eines Menschen. Siehe Geschichte der Magnetresonanztomographie