Wie sieht die deutsche Radiologie in Zahlen aus?

Ein Überblick

In Deutschland sind knapp 325.000 Ärztinnen und Ärzte zugelassen. Davon haben ca. 6.800 die Ausbildung zum Facharzt für Radiologie/Diagnostische Radiologie absolviert und sind derzeit in diesem Bereich tätig. Mit knapp 2 Prozent bilden die Radiologen also eine sehr kleine ärztliche Fachgruppe. Daran ändert auch die durchschnittliche Wachstumsrate von knapp 15% Prozent im Durchschnitt der letzten zehn Jahre nichts Wesentliches.

Insgesamt sind ca. 3.100 Radiologen im niedergelassenen Sektor tätig, davon ca. 600 als Angestellte.  Interessant ist, dass die Anzahl der niedergelassenen Radiologen in den letzten zehn Jahren ein durchschnittliches Wachstum von knapp 10% zu verzeichnen hat, wohingegen ein deutlicher Rückgang innerhalb der stationären leitenden Radiologentätigkeit von durchschnittlich 24% festzustellen ist.

Von den knapp 2.200 Krankenhäusern in Deutschland betreiben auch nur ca. 800 eine eigene radiologische Fachabteilung. Die Verzahnung zwischen ambulantem und stationärem Sektor nimmt immer mehr zu. So bestehen derzeit ca. 423 Kooperationen zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen radiologischen Praxen. Die Kooperationsmöglichkeiten reichen dabei von der teleradiologischen Betreuung bis hin zur eigenen Praxis in den Krankenhausräumen.

Betrachtet man die Versorgungsstrukturen der niedergelassenen Radiologie in Deutschland, so fallen einige regionale Verschiedenheiten ins Auge, die aufgrund der unterschiedlichen Dimensionen des Versorgungsauftrags zustande kommen: So hat ein Radiologe in den Stadtstaaten (Hamburg, Bremen, Berlin) im Durchschnitt nur halb so viele Einwohner (18.500) wie sein Kollege in den Flächenstaaten (37.500) zu versorgen. Beträchtlich ist auch der Unterschied zwischen den alten und den neuen Bundesländern: Während sich in den alten Bundesländern ca. 31.000 Einwohner einen Radiologen teilen müssen, entfällt in den neuen Bundesländern nur auf alle 40.000 Einwohner ein Radiologe.

Richtet man den Blick auf die unterschiedlichen Praxisgrößen, so wird deutlich, dass die Anzahl der radiologischen Einzelpraxen stark rückläufig ist. Von den gut 1.000 Radiologiepraxen in Deutschland werden nur noch ca. 350 als Einzelpraxen geführt. Die restlichen 650 sind bereits heute Gemeinschaftspraxen. Dabei arbeiten rund 600 Radiologen in ca. 200 so genannten kleinen Gemeinschaftspraxen mit 2 Teilhabern. Knapp 900 Radiologen sind in 350 größeren Gemeinschaftspraxen mit 3-5 Teilhabern organisiert. Und schließlich entfällt mit immerhin knapp 350 Radiologen ein sehr großer Anteil auf die ca. 100 sehr großen Gemeinschaftspraxen mit sechs und mehr Partnern. Derartig große Praxen sind mit mittelständischen Unternehmen vergleichbar: Sie beschäftigen oft bis zu 50 Mitarbeiter (teilweise sogar noch erheblich mehr), betreiben Geräte im Wert von teilweise weit über 10 Millionen Euro und erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von bis zu 10 Millionen Euro! Dieser Wert übertrifft denjenigen einer einfachen Hausarztpraxis um das vielfache! Hier wird deutlich, dass die steigende Qualität bildgebender Verfahren zu einer Industrialisierung der Fachgruppe führt, wie sie sonst nur in der Industrie bekannt ist.

Pro 1.000 Einwohner wurden in Deutschland im Jahr 2009 gem. der BARMER GEK Studie (BARMER GEK Arztreport 2011) insgesamt 211 Schnittbilduntersuchungen durchgeführt. Dabei entfielen 114 Untersuchungen auf den CT-Bereich und 97 Untersuchungen auf den MRT-Bereich. Mit diesem Potenzial liegt Deutschland bei der relativen Anzahl an CT- und MRT-Untersuchungen weltweit in einer Spitzenposition.

Der Wert der in Deutschland erbrachten radiologischen Leistungen belief sich im Jahr 2007 auf ca. 3,4 Mrd. Euro. 45 Prozent dieses Gesamtvolumens entfallen auf nicht-radiologische Fachärzte, sog. „Teilgebietsradiologen“. Fachärzte aus an die Radiologie angrenzenden Fachgebieten (z. B. Chirurgen, Orthopäden, Gynäkologen, Kardiologen) können, sofern sie über die entsprechende Fachkunde verfügen, ebenfalls radiologische (überwiegend Röntgen und Ultraschall) Leistungen erbringen.

In den radiologischen Praxen selbst stellte die Kernspintomographie mit mehr als 50 Prozent des Gesamtwertes der Untersuchung den größten Posten dar. Nach Benchmark der Curagita entfallen ca. 30% aller radiologischen Untersuchungen auf Kernspintomographien. Der Anteil an CT-Untersuchungen beläuft sich derzeit auf einen Wert von ca. 20% aller radiologischen Untersuchungen.  Noch vor wenigen Jahren lagen die prozentualen Verteilungen der Untersuchungen bei ca. 6% Kernspintomographien und ca. 10% CT-Untersuchungen (bei Betrachtung aller radiologischer Untersuchungen). Die sich nun eingestellte Entwicklung hin zu deutlich mehr Kernspintomographien kann als durchaus positiv gewertet werden, da es sich hierbei um eine strahlenfreie Methode handelt, die weder CT- noch Röntgenleistungen aufweisen können.