Welcher Radiologe ist der beste für mich?

 
Arztwerbung ist, trotz einer gewissen Liberalisierung in den letzten Jahren, in Deutschland weitgehend untersagt. Ärztevergleiche in der Presse (z.B. Fokus-Serie „Die besten Ärzte“) sind umstritten und „normale“ Radiologen kommen in diesen Vergleichen meist nicht vor.
Die Empfehlung eines Arztes durch einen anderen unterliegt aus Gründen der freien Arztwahl in Deutschland ebenfalls engen Grenzen. Zudem könnten hier nicht-medizinische Empfehlungskriterien eine wesentliche Rolle spielen (z.B. Freundschaft, gemeinsame Gerätenutzung, andere Abhängigkeiten). Objektivierbare Beurteilungskriterien für medizinische Leistung und ihre Qualität fehlen oder sind Ihnen als Patient nur schwer zugänglich.
Wie aber finden Sie als Patient oder als zuweisender Arzt aus der Vielzahl von Praxen und Radiologen den für Ihre Fragestellung besten Experten?
Folgende Fragen, die Sie bestens vor einer Untersuchung stellen, können Ihnen einen Anhalt geben:

1. Leistungsspektrum: Wird die gewünschte Untersuchungskombination angeboten und im erlaubten Rahmen sachlich beworben (Webseite, Praxisbroschüre)? Wenn nicht, welche Alternativen werden vorgeschlagen und warum? Wie ausgeprägt ist das Spezialwissen um die geforderte Untersuchung, d.h. wie viele gleichartige Untersuchungen führt er regelmäßig durch (z.B. werden bei der Mammografie 5.000 Untersuchungen jährlich gefordert)?

2. Arztqualifikation: Welche Ausbildung und Berufserfahrung hat der Radiologe, der die Untersuchung durchführen wird, allgemein? Hat er die für Ihre Fragestellung notwendige Spezialerfahrung und Spezialfachkunden, -fortbildungen, -zeugnisse und Testate? Hat er vielleicht zu diesem Thema wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht oder ist er aktives Mitglied einer entsprechenden Fachgesellschaft? Hat er klinische oder technische Zusatzqualifikationen (z.B. Physiker, Doppelfacharzt)? Wird er von anderen Ärzten empfohlen?

3. Patienten-Zuweiser-Arztkommunikation: Überprüft der Radiologe die Indikation, in dem er Fragen zur Gesundheit und zum Anlass der Überweisung stellt? Setzt er sich bei komplizierten Fragestellungen vor der Untersuchung mit dem überweisenden Arzt in Verbindung oder führt er eine Teilanamnese selbst durch? Diskutiert er Alternativen mit Ihnen bzw. Ihrem behandelnden Arzt? Hat er Sie gut verständlich über Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt? Hatten Sie ausreichend Zeit und Gelegenheit Fragen zu stellen? Fragt er nach eventuell vorhandenen Voraufnahmen und zieht er diese hinzu? Bespricht er das Bild persönlich mit Ihnen und gibt er einen konkreten Befund bzw. eine Diagnose ab? Wie schnell bekommen Sie bzw. Ihr zuweisender Arzt einen vorläufigen oder endgültigen Befund? Kommuniziert der Radiologe effektiv (z.B. elektronisch) mit Ihnen bzw. Ihrem Haus- oder Facharzt, um einen erfolgreichen Staffelwechsel zu garantieren?

4. Geräteausstattung: Wie gut ist die Geräteausstattung der radiologischen Praxis oder Abteilung? Sind die Geräte optimal für Ihre Untersuchung geeignet (Kenngrößen sind bei der Computertomographie z.B. Spirale bzw. Anzahl der Schichten; bei der Magnetresonanztomographie die Feldstärke)? Wie alt ist das Gerät mit dem Sie untersucht werden? In welchem Zustand ist es? Hat es ein Wartungs- bzw. Qualitätszertifikat, das vielleicht aushängt? Arbeitet die Praxis digital mit Speicherfolien und PACS? Können Sie die angefertigten Aufnahmen z. B. auf einer CD-ROM oder als Papierausdruck mitnehmen?

5. Terminvergabe und Wartezeiten: Wie lange müssen Sie auf einen Termin zur Untersuchung warten? Bietet die Praxis auch arbeitnehmerfreundliche Untersuchungszeiten abends an? Wie lange Wartezeiten werden Ihnen in der Praxis zugemutet?

6. Praxisatmosphäre und Freundlichkeit: Wie verlief der erste Kontakt am Telefon? Wie freundlich werden Sie empfangen und behandelt? Wie ist der Umgangston der Praxismitarbeiter untereinander? Wie ist der Patientenservice – Angebote im Wartezimmer: Zeitschriften, Getränke, TV?;  Informationsmaterial zu Untersuchungen, Selbsthilfegruppen etc.? Aktive Information seitens des Praxisteams, z.B. über Wartezeiten?

7. Lage und Erreichbarkeit: Liegt die Praxis günstig für Sie? Ist sie auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln für Sie gut erreichbar? Gibt es ausreichend Patientenparkplätze? Sind Gastronomie- und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe? Ist der Zugang zur Praxis problemlos möglich (auch für körperlich behinderte Menschen)?
Versuchen Sie selbst zu urteilen, auch wenn es schwierig ist, denn: die „weichen“ Faktoren wie Freundlichkeit und Service können Sie beurteilen, aber sie sind nicht unbedingt aussagefähige Indikatoren für die „harten“, medizinischen Faktoren, auf die es schließlich ankommt. Was nützt Ihnen ein hochmoderner, volldigitaler Hotelservice auf Marmorböden, wenn die Diagnose nicht stimmt. Aber auch das Gegenteil muss hinterfragt werden: ist eine Praxis wirklich gut, wenn vielleicht die Diagnose richtig gestellt wird, aber Kommunikation, Freundlichkeit und Service völlig fehlen? Schließlich müssen Sie das Gefühl haben, in den besten Händen zu sein – und das geht nur, wenn ALLES stimmt.