Welche Funktion hat die Radiologie für das Gesundheitswesen und die Patienten?

 

Die Radiologie erfüllt einige für das Gesundheitswesen allgemein und für Sie als Patient im Besonderen notwendige und sinnvolle Funktionen.

1. Neutralität: Ein Radiologe wird üblicherweise nur auf Anforderung eines zuweisenden Arztes (z. B. Hausarzt, Orthopäde, Internist) hin tätig. Anders als die so genannten Teilradiologen (andere Arztgruppen, die ebenfalls röntgen) kann er sich Patienten nicht selbst zuweisen. Damit übernimmt er eine neutrale Lotsenfunktion im Gesundheitssystem.

2. Innovation: Durch die Weiterentwicklung der Medizin und der Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen steigt Ihre Chance auf ein langes Leben stetig. Einen wichtigen Anteil daran hat die Radiologie mit ihren Möglichkeiten, Krankheiten schon frühzeitig zu erkennen, die Ausdehnung richtig zu erfassen und den Patienten schneller einer adäquaten Behandlung zuzuführen. Gleichzeitig hilft der Einsatz von Hochleistungsdiagnostik oft bei der Vermeidung so genannter explorativer Operationen, also von Operationen, die durchgeführt werden, um einen Überblick über die wirkliche Situation des Patienten und die Ausdehnung der Erkrankung zu erhalten. Der Radiologe erfüllt also die Rolle eines objektiven Beraters Ihres behandelnden Arztes und hilft, richtige Entscheidungen zu treffen.

3. Qualität: Falls doch operiert werden muss, hilft die Radiologie bei der optimalen Planung der Operationsdurchführung und kann mithelfen, das Operationsrisiko für den Patienten deutlich zu senken. Beispiele hierfür sind die Vermeidung von Operationen z. B. bei Herzerkrankungen (Herzkatheteruntersuchungen ) durch eine Untersuchung mit Hilfe von MRT oder CT, die Optimierung der Operationsplanung z. B. bei komplizierten Brüchen, Operationen im Bauchbereich oder auch bei Operationen am Gehirn, die 3-dimensionale Rekonstruktion eines (erkrankten) Organs oder Organgebietes auf Basis von MRT- oder CT-Untersuchung oder auch die genaue Darstellung der Blutversorgung der Operationsregion oder die Identifikation von Tochtergeschwülsten (Metastasen) bei Tumorerkrankungen. Der Radiologe hat einen wesentlichen Anteil an Qualitätssicherung und -verbesserung durch Befund- bzw. Diagnoseüberprüfung (z. B. durch den Vergleich von Bildbefunden vor und nach einer Operation).

4. Vorsorge: Die Radiologie ermöglicht einzigartige diagnostische, nicht invasive Vorsorgeuntersuchungen im Rahmen von Gesundheitscheckups (z.B. Kalziumwertbestimmung in den Koronararterien als Zeichen für die Herzinfarktwahrscheinlichkeit, die virtuelle Koloskopie als Ersatz für die unangenehme Dickdarmspiegelung, Knochendichtemessungen bei Verdacht auf Osteoporose), Reihenuntersuchungen (Screeninguntersuchungen in der Brustkrebsvorsorge = Mammografie) und sonstigen Vorsorgeuntersuchungen.

5. Sicherheit: Durch die Einbindung der Radiologie als Prozessbegleitung bei Nachsorge und Verlaufsuntersuchungen von Krankheiten insbesondere im Bereich der Krebsbehandlung (z.B. Kontrolle nach Strahlentherapie und Chemotherapie, Kontrolle nach Operationen) können mögliche therapeutische Fehlentscheidungen schneller korrigiert werden und eventuell auftretende Rezidive schneller erkannt und angemessen behandelt werden.

6. Datenmanager: Durch seine Kenntnisse um den Einsatz und Möglichkeiten hochkomplexer Technik zum Patientenwohl hat der Radiologe eine Brückenfunktion zwischen hochtechnischer Hightech-Medizin und klinischen Fachdisziplinen. Als Bild- und Befundmanager kann er einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung von Bildverlusten und Doppeluntersuchungen durch digitale Bild- und Befundkommunikation zwischen Radiologen und Zuweisern leisten. Da schätzungsweise mehr als 80% aller medizinischen Patientendaten im Bereich der medizinischen Bildgebung anfallen, kann er seine Expertise im Umgang mit großen Datenmengen beisteuern. Die Einbindung der Radiologie in die Entwicklung einer elektronischen Patientenakte ist ein wichtiger Aspekt bei der Umsetzung von Ideen in die Praxis.

Radiologie kann also helfen, Krankheiten aufzuspüren, die sonst nicht, später oder nur unter großem Aufwand diagnostiziert worden wären, Krankheitsverläufe zu begleiten und selbstverständlich auch Krankheiten auszuschließen. Außerdem liefert die Radiologie die Grundlagen für eine effektivere, kostengünstigere und menschlichere Medizin.

Nutzen Sie als mündiger Patient die Möglichkeiten der Radiologie und fragen Sie Ihren Haus- oder Facharzt!