Radiologienetz kämpft für optimierte ambulant-stationäre Verzahnung

Pressemitteilung des Radiologienetz, 04. Mai 2011

Ziel des bundesweiten Zusammenschlusses niedergelassener Radiologen ist es, eine flächendeckende und wohnortnahe Versorgung ihrer Patienten mit moderner Diagnostik sicherzustellen.

Die gute Nachricht ist: In Deutschland werden - laut dem am 1. Februar 2011 erschienenen BARMER GEK Arztreport - zunehmend strahlenbelastende Computertomographie-Untersuchungen durch röntgenstrahlenfreie (Magnetresonanz (MRT)- oder) Kernspintomographie-Untersuchungen ersetzt. Mit 97 Untersuchungen pro 1.000 Einwohner nimmt Deutschland hier eine weltweite Spitzenposition in der Versorgung mit röntgenstrahlungsfreier MRT ein. Diese Tatsache, kombiniert mit den durchschnittlich geringsten Untersuchungskosten (  22 € je Einwohner) macht Deutschland im internationalen Vergleich zum "Versorgungs-Weltmeister" und sichert den Patienten den Zugang zu modernster medizinischer Versorgung bei geringsten Kosten, Strahlenbelastung und Wartezeiten.

Mit jährlichen Zuwachsraten von 4,8 % (CT) bzw. 7,1 % (MRT) seit 2004 erfüllen die Radiologen den Boom an Überweisungsaufträgen ihrer Fachkollegen - und das bei insgesamt sinkender Gesamtvergütung in der niedergelassenen Radiologie. Die Radiologie ist mit fünf Nobelpreisträgern der am meisten ausgezeichnete Fachbereich in der Medizin. Ihre Methoden sind für die Fach- und Hausärzte unersetzlich und bieten immer zuverlässigere Diagnostik und Therapie. Die Patientenversorgung wird hochwertiger, obwohl die Honorare sinken. Fatal für die "Nachfahren" Conrad Röntgens ist jedoch, dass sie eine zahlenmäßig kleine Fachgruppe (nur 2 % aller Ärzte) darstellen, die 5 Prozent des Gesundheitsbudgets zu verantworten hat, als zuweisungsgebundene Disziplin aber nur wenig Gestaltungsspielräume hat.

Die meisten radiologischen Praxen weisen mittelständische Strukturen auf. Hohe Kapital- und Personalkosten bei laufenden Investitionen durch eine sich ständig weiterentwickelnde Diagnosetechnologie auf der einen Seite stehen einer sinkenden Vergütung im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherungen gegenüber. "Die Realität straft die Darstellung der Radiologen als Spitzenverdiener schon lange Lügen. Allein in den Jahren 2004 bis 2008 ist die Vergütung um 21 Prozent gesunken." so Dr. Johannes Schmidt-Tophoff, Vorstand der Curagita AG in Heidelberg, eines Managementunternehmens, das die Mitgliedspraxen des Radiologienetz nun schon seit über zehn Jahren mit einem genossenschaftlichen Ansatz unterstützt.

Eine Erfolgsgeschichte gelungener ambulant-stationärer Kooperation und qualitativ hochwertiger Versorgung in der niedergelassenen Radiologie ist das Mammographie-Screening. In neun von zehn Regionen des Bundeslands Baden-Württemberg stellen programmverantwortliche Radiologen des Radiologienetz die wohnortnahe Teilnahme am Programm zur Brustkrebsfrüherkennung und die enge Verzahnung zwischen Brustzentren mit zertifizierten, die hohen Qualitätsanforderungen der EU-Leitlinien erfüllenden Mammographie-Einheiten sicher. In ca. 70 In-, Co- und Outsourcingprojekten beweisen die 100 Radiologienetz-Praxen bereits heute, wie effizient ambulant-stationär verzahnte Versorgung gestaltet werden kann. Das Radiologienetz errechnet ein mögliches Einsparvolumen von ca. 1 Mrd. € durch gezielte Kooperationen von Kliniken und niedergelassenen Radiologen, da viele Radiologieabteilungen in öffentlichen Krankenhäusern  mit staatlich hochsubventionierten Großgeräten oft nicht einmal die Hälfte der Produktivität einer ambulanten Praxis erreichen. Gleichzeitig ließe sich durch Kooperationen von Niedergelassenen und Krankenhäusern die Versorgung im ländlichen Raum verbessern. Bereits heute unterstützen die Radiologen im Radiologienetz durch teleradiologische Vernetzung die Versorgung von circa 30 ländlichen Krankenhäusern mit radiologischer Notfalldiagnostik.

Insgesamt fordert das Radiologienetz eine differenzierte Diskussion über Kosten und Nutzen moderner Diagnostik. Dazu gehört auch der undogmatische Blick auf eine zwischen Fachgebieten und Sektoren gerechte Form der Vergütung. Die Radiologen fordern Planungssicherheit und eine stabile Vergütung, die einen wirtschaftlichen Betrieb der hochinvestiven und innovativen GKV-Radiologie ohne die heute erforderliche Quersubventionierung durch Privathonorare zulässt.  Nur auf diese Weise werden die Patienten auch weiterhin wohnortnah am medizinischen Fortschritt teilnehmen.

Information zum Radiologienetz

Das Radiologienetz ist ein genossenschaftlicher Zusammenschluss von derzeit 360 unabhängigen und selbständigen niedergelassenen Radiologieunternehmern in 100 Praxen und an 70 Krankenhäusern in Deutschland. Mit ihrem kooperativ-synergetischen Netzansatz treten sie für eine patientenorientierte Flächenversorgung mit radiologischer Diagnostik ein. Ziel des Radiologienetz ist es, durch gemeinsame Strukturen, wie Kostenpools oder standortübergreifende Versorgung mit High Tech Diagnostik langfristig eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten darzustellen: Patienten, Kassen und Radiologen.

Dies realisieren sie mit einem professionellen, interdisziplinären 70-köpfigen Managementteam mit Sitz in Heidelberg, mit dem sie gemeinsam innovative organisatorisch-betriebswirtschaftliche Verbesserungsansätze entwickeln und umsetzen. Beispiele sind die (tele-)radiologische Vernetzung untereinander und mit Zuweisern und Krankenhäusern, das In-, Co- und Outsourcing von radiologischen Abteilungen und die ambulant-stationäre Verzahnung in der Radiologie  sowie das Mammographie-Screening, bei dem insgesamt 20 Prozent der programmverantwortlichen Radiologen Mitglieder im Radiologienetz sind.

Das genossenschaftliche Sprachrohr des Radiologienetz ist ein gewählter Fachbeirat, ein elfköpfiges Radiologengremium, das sich zunehmend auch an politische Entscheidungsträger wendet, um konkrete Möglichkeiten zu erörtern, wie die radiologische Versorgung auf dem ausgezeichneten Niveau in Deutschland den Patienten trotz ausgereizter Effizienzreserven in der niedergelassenen Radiologie erhalten bleiben könnte.

Das Radiologienetz betreibt ein kosten- und werbefreies Informationsportal www.radiologie.de mit einem von der Stiftung Gesundheit ausgezeichneten Online-Ratgeber zur Anforderung radiologischer Untersuchungen für überweisende Kollegen. Mehr Informationen auch auf curagita.com und radiologienetz.de.

Fachbeirat Radiologienetz

Bild: Die gewählten Fachbeiräte des Radiologienetz